Bericht vom Int. Guggenmusiktreffen 2009
Guggen wollen zeigen, was sie können
26. Internationales Guggenmusiktreffen in Schwäbisch Gmünd – Top-Stimmungsmacher kommen aus Weißenhorn
Rudo der Hölltalschütz hängt jetzt endlich, wo er hingehört, und die Schrägtöner heizten den fröstelnden Massen kräftig ein. Rundum: Die Stimmungsbilanz des 26. Internationalen Guggenmusiktreffens lautet „hervorragend“. Allen voran: Die Weißahoara Giggalesbronzer, die von den Besuchern zu den Top-Stimmungsmachern gewählt wurden.
Schwäbisch Gmünd. „D’ Fasnet got los“, verkündete am Samstagmorgen der Vorsitzende des AGV 55, Thomas Schwendele, am Rinderbacher Turm, und schon zogen die knapp 20 kostümierten Kinder den Narrenbaum Richtung Marktplatz. Umrahmt von den Guggen der Weißahoarer Giggalesbronzer, von Rondo Bellinziano sowie der Stöpselgarde und den Tanzteufeln der AG Fasnet. „Jetzt ist es endlich richtig“, sagte Schwendele und meinte Rudo den Hölltalschütz, der sich erstmals am Narrenbaum zum Silbermännle gesellt. Der neue Witz ist ein alter: das arme Josefle. „So alt, der stinkt schon“, meinte Schwendele.
Auf ging’s in den Prediger, wo sich die 21 Kapellen der Reihe nach präsentierten, vorgestellt von Oberbürgermeister Wolfgang Leidig – wie es sich gehört: im Narrenkleid und nach einem dreifachen „Hella, hella, Gamundia“. Darunter die frisch gegründeten Los Krawallos aus dem Haus Lindenhof. Sie schlugen sich hervorragend inmitten der internationalen Spitzengruppen. Einen speziellen Gruß richtete der OB an Frumptarn aus der Partnerstadt Barnsley, „die erste Guggengruppe Großbritanniens“.
Frostig-kalt ging es beim Monsterkonzert am Abend zu. „Alle hüpfen mit“, hieß das Kommando und schon wurde es den Guggenfans auf dem Marktplatz, dem Johannisplatz und vor der VHS auf dem Münsterplatz wärmer. In ihren knallroten Mänteln machten sich die Tschäddärä und die Trottwarschlurbi aus Lörrach zum ersten Mal beim Treffen in Gmünd auf den Weg durch die Gassen, während die Société Les Pampana’s aus Cudrefin in der Schweiz auf den Stufen vor der VHS ordentlich einheizten. Auf der Bühne am Johannisplatz schmückten die Fahnen der teilnehmenden Länder die Bühne. „Glück auf, der Steiger kommt“, kündigte Moderator Robert Frank die Oschtalb Ruassgugga in ihrem schmucken Bergmannshäs an.Total begeistert waren die Schlössli Schränzer aus Aesch in der Schweiz, dass sie endlich einmal eingeladen worden waren. Hier ein Weiler Waldgeist, übrigens zum ersten Mal eingefallen, dort lila Überdruck und – oh Schreck – da haben ja welche bei dieser Kälte keine Schuhe an! Haben die Mühlbach-Bazis aus Eggingen an der Schweizer Grenze doch tatsächlich die Leut’ genarrt! In dicken Stiefeln stecken die Füße, aber die Hände werden kalt und die Lippen drohen den Bläsern weh zu tun, aber: „Dazu sind wir hier. Und das schon zum dritten Mal“, erzählt ein Mühlbach-Gugg. Sie kämen exklusiv nach Gmünd, weil hier die Organisation so hervorragend sei. Und prompt gewannen die Gnome den Preis für das schönste Häs. Als Neulinge wurde die mit Holzschuhen und mächtigen schwarz-roten Perücken gekleideten Pfuus-Bagge aus Rheinfelden mit Johlen und Applaus begrüßt. Ihre Musik, eher moderat als schräg, komponiert und dirigiert, kam beim Publikum so gut an, dass sie mit dem Preis für beste Musik nach Hause ziehen konnten. „Wir müssen uns der Tatsache stellen, dass Guggenmusik nicht mehr so unbedarft und mutwillig schräg ist, sondern die Gruppen auch zeigen wollen, was sie können“, meinte Robert Frank bei der Preisverleihung am Sonntag in der vibrierenden Sporthalle. Die Stimmungsbilanz des Wochenendes lautete „hervorragend“ und drückte sich im Preis des Top- Stimmungsmachers für die Weißahoara Giggalesbronzer, Weißenhorn, aus.
Zum Frühschoppen drehten die Gruppen noch einmal richtig auf. Und da gab es dann auch den Gastpreis, ein „verrücktes Huhn“ aus Keramik für die Publikumsgewinner Susanne Ballak aus Pleinfeld, Rena Lander aus Gmünd und Dieter Schmidt aus Weißenhorn. Mehr zum Guggenmusiktreffen auf Seite 18.
Die schrägen Töne schallen bis „Mekka“
Knapp 25 000 Besucher
Weit über die Region hinaus schallt mittlerweile der schräge Ruf des Internationalen Guggenmusiktreffens in Schwäbisch Gmünd. Knapp 25 000 Besucher waren bei der 26. Auflage an zwei Tagen dabei.
Schwäbisch Gmünd. Den Stellenwert macht Robert Frank von der Touristik- und Marketing GmbH an den zahlreichen Bewerbungen aus dem „Mekka der Guggenmusik“, der Schweiz, fest. Auch in diesem Jahr sei es wieder gelungen einige Neubewerber aufzunehmen. So fügten sich auch „Frumptarn“ aus Barnsley und die „Los Krawallos“ vom Haus Lindenhof nahtlos ins bunte internationale Treiben ein. Neben dem Trubel und der Gaudi für die Gmünder sowie dem Image für die Stadt sorgt das Guggenmusiktreffen auch für volle Häuser. „Alle Gmünder Hotels waren komplett ausgebucht“, sagt Frank, der die Besucherzahlen an zwei Tagen auf knapp 25 000 sowie auf 3000 in der Großsporthalle beim sonntäglichen Frühschoppen schätzt. Um 17 Uhr ertönte dann der letzte schräge Ton: Aufräumen war angesagt. Heute ist die Großsporthalle wieder blitzeblank.

Den Preis für das schönste Häs gab’s für die Gnome der Mühlbach-Bazis aus Eggingen.